ChatGPT macht einen spannenden Schritt in Richtung eines „Kontrollzentrums“ für deine üblichen Dienste: OpenAI bietet seit Kurzem App-Integrationen an, mit denen du Konten direkt mit dem Assistenten verknüpfen kannst, sodass er nicht nur antwortet, sondern auch Aufgaben innerhalb bekannter Plattformen anstößt oder vorbereitet. Die Idee ist einfach und für alle, die zwischen Tabs, Apps und Erinnerungen leben, ziemlich verlockend: Statt von einer Seite zur nächsten zu springen, bittest du ChatGPT, etwas zu suchen, vorzuschlagen oder Aktionen vorzubereiten – und schließt den Vorgang bei Bedarf in der jeweiligen App ab.
Bevor man loslegt, wollen viele allerdings vor allem zwei Dinge wissen: wie man es aktiviert und was das für den Datenschutz bedeutet. Und das ist naheliegend: Wer automatisiert nicht gern – aber eben ohne mehr Daten preiszugeben als nötig?
So geht’s los: Apps direkt im Chat oder über die Einstellungen verbinden
Das Ganze ist bewusst recht unkompliziert gehalten. Zunächst musst du in ChatGPT angemeldet sein. Danach gibt es zwei Wege. Am schnellsten ist es, den Namen der App direkt an den Anfang deines Prompts zu setzen; ChatGPT führt dich dann durch Login und Kontoverknüpfung. Das ist ein typisches „on the fly“-Vorgehen – ideal, wenn dir spontan eine konkrete Aufgabe einfällt und du die Integration testen willst, ohne dich durch Menüs zu klicken.
Wenn du lieber alles einmal sauber vorbereitest, gibt es die strukturiertere Variante: in Settings gehen und Apps and Connectors öffnen. Dort kannst du die verfügbaren Apps durchsehen, die gewünschten auswählen und den Login jeweils auf der entsprechenden Seite abschließen. So eine Einstellung macht man meist einmal – und vergisst sie, bis man irgendwann froh ist, dass alles schon eingerichtet war.
In jedem Fall gibt es einen entscheidenden Punkt, den man technisch nüchtern betrachten sollte: Ein Konto zu verknüpfen bedeutet, Daten dieser App mit ChatGPT zu teilen. OpenAI weist darauf hin, dass du die Berechtigungen, denen du beim Verknüpfen zustimmst, prüfen solltest, weil die Integration Zugriff auf persönliche Informationen des jeweiligen Dienstes erhalten kann. Wenn du zum Beispiel Spotify verbindest, könnte ChatGPT deine Playlists, deinen Hörverlauf und weitere Daten sehen. Genau dieser Zugriff ermöglicht Empfehlungen und Personalisierung – wenn deine Datenschutzschwelle allerdings höher liegt, solltest du dir gut überlegen, ob du wirklich alles „einfach so“ verbindest.
Der beruhigende Teil: Du kannst jede App jederzeit wieder trennen – direkt über das Einstellungsmenü, ohne Tricks und ohne versteckte Optionen suchen zu müssen.

Was du mit den verfügbaren Integrationen machen kannst
Der erste Katalog mischt Reisen, Design, Lernen, Shopping und Unterhaltung – mit Integrationen, die besonders dann passen, wenn es darum geht, Reibung rauszunehmen: anfragen, filtern, vergleichen und die finale Aktion vorbereiten. Bei Booking.com ist die Integration zum Beispiel darauf ausgelegt, Reisenden zu helfen – mit Fokus auf alle, die ein Ziel zum ersten Mal besuchen und praktische Vorschläge brauchen. Nach dem Verknüpfen kannst du ChatGPT bitten, Hotels in einer Stadt nach Zeitraum und Budget zu suchen und Details wie Personenzahl oder Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln zu berücksichtigen. Du kannst auch Kriterien wie „inklusive Frühstück“ hinzufügen. Wenn du etwas Passendes findest, erfolgt der letzte Schritt, indem du das Angebot in Booking.com öffnest und dort die Buchung abschließt.
Ähnlich funktioniert Expedia: ChatGPT kann im Chat passende Hotels und Flüge anzeigen, abgestimmt auf Zeitraum, Budget und Anzahl der Reisenden. Der Mehrwert liegt hier im Filtern per natürlicher Sprache – etwa mit der Bitte, nur 4-Sterne-Hotels zu zeigen – und du schließt den Kauf bei Expedia ab, sobald deine Shortlist steht.
Für visuelle Erstellung dient Canva als schneller Projektstart: Du kannst Designs für einen Social-Media-Post, ein Poster oder eine Präsentation im 16:9-Format anfordern – inklusive Vorlieben bei Schriften, Farbpaletten, Formaten wie Instagram oder Stories und konkreten Abmessungen. Wichtig ist allerdings eine Einschränkung: KI-generierte Designs sind nicht immer perfekt; es können verzerrte Bilder oder Tippfehler auftreten. Die Idee ist daher eher ein „Startpunkt“ als ein fertiges Endergebnis. Der Vorteil: Du kannst jederzeit zu Canva wechseln, um das Design anzupassen und auf das Niveau zu bringen, das man in der Praxis erwarten würde.
Wenn du eher Ideen strukturieren willst, fokussiert sich Figma auf Diagramme, Flows und visuelle Darstellungen, die Brainstormings in nutzbare Artefakte verwandeln. Außerdem lassen sich Dateien hochladen, und du kannst ChatGPT bitten, eine Produkt-Roadmap mit Meilensteinen, Deliverables und Zeitplänen zu erstellen – praktisch, wenn ein Team Prioritäten und Vorgehen abstimmen muss, ohne sich in endlosen Dokumenten zu verlieren.
Im Lernbereich wird Coursera genutzt, um Kurse passend zu deinem Niveau zu entdecken: Du kannst zum Beispiel nach einem Python-Kurs auf Mittelstufenniveau fragen und dir vor der Anmeldung Vergleiche nach Bewertung, Dauer und Kosten sowie eine Inhaltszusammenfassung geben lassen. So lässt sich das erste „Scouting“ erledigen, ohne zehn Tabs zu öffnen – die am Ende ohnehin wieder zwölf werden.
Für Musik glänzt Spotify mit einer Funktion, die sehr gut dazu passt, wie viele den Dienst nutzen: schnell Playlists erstellen und Empfehlungen bekommen, die zum eigenen Geschmack passen. Du kannst nach einer Playlist für eine bestimmte Stimmung fragen oder nach einer Liste nur mit Songs deiner Lieblingsband – und zusätzlich Vorschläge für Artists, Playlists, Hörbücher oder Podcast-Folgen erhalten. Dazu kommen direkte Aktionen wie das Hinzufügen oder Entfernen von Inhalten in deiner Bibliothek – genau die Art Automatisierung, die man im Alltag wirklich merkt.
Beim Shopping taucht Target mit einer Beta-Integration auf, die für Geschenkideen und das schnelle Zusammenstellen eines Warenkorbs direkt in ChatGPT gedacht ist – etwas, das das Unternehmen strategisch vor dem Black Friday aktiviert hat. Du kannst Ideen für einen „Filmabend“ anfordern, eine Auswahl verfügbarer Produkte erhalten, sie in den Warenkorb legen und mit deinem Target-Konto kaufen, inklusive Optionen wie Drive Up am selben Tag, Abholung im Store oder Standardversand.
Für Mobilität hilft Uber dabei, passende Fahrtoptionen zu finden – besonders nützlich, wenn du in einem neuen Land bist und keine Zeit mit manuellem Vergleichen verlieren willst. Die Einrichtung lässt sich in der ChatGPT-App vorbereiten, aber die finale Anfrage und Zahlung werden in der Uber-App abgeschlossen. Allerdings: Derzeit ist die Integration nur in den USA verfügbar, erlaubt keine Vorab-Reservierungen und beschränkt sich auf On-Demand-Fahrten mit Optionen wie UberX, UberXL, Comfort und Black. Außerdem gibt es in den USA eine Uber Eats-Integration, um Restaurants und Menüs in ChatGPT zu prüfen und die Zahlung anschließend in der Uber-Eats-App abzuschließen.
Für Essen und Zutatenkauf bietet DoorDash einen attraktiven Ansatz zur Essensplanung: Du kannst dir einen Menüplan erstellen lassen und die Zutaten direkt in den DoorDash-Warenkorb legen, um danach zu prüfen und zu bezahlen. Auch hier gibt es eine klare Einschränkung: Aktuell ist das nur in den USA verfügbar und nur mit teilnehmenden Händlern – genannt werden unter anderem Kroger, Safeway, Fairway Market und Wegmans.
Zum Schluss, für Wohnen, setzt Zillow auf eine effizientere Immobiliensuche mit Filtern per Texteingabe: Preisspanne, Anzahl der Schlafzimmer oder bestimmte Gegenden. Das ist genau die Art Erlebnis, bei der natürliche Sprache das Filtern beschleunigt, weil es sich eher anfühlt, als würdest du jemandem erklären, was du suchst – statt Formulare auszufüllen.
Verfügbarkeit nach Regionen und was 2026 kommt
So global das Konzept klingt: Der aktuelle Rollout ist auf die USA und Kanada beschränkt, und Europa sowie das Vereinigte Königreich bleiben vorerst außen vor. Trotzdem zeigt es eine klare Richtung: ChatGPT als Oberfläche, die versteht, was du tun willst, und dafür externe Dienste nutzt, um es umzusetzen – ein Stück weit der Traum vom „echten“ digitalen Assistenten, nur mit mehr konversationeller Logik und weniger starren Befehlen (und ja: mit mehr Berechtigungen, die man im Blick behalten muss).
OpenAI hat außerdem angekündigt, weitere Partner ergänzen zu wollen, darunter OpenTable, PayPal und Walmart, mit geplantem Start im Jahr 2026. Wenn sich diese Liste realisiert, könnte der Sprung vom „Empfehler“ zum „Aktions-Manager“ noch deutlich sichtbarer werden – vor allem, sobald Zahlungen und Reservierungen ins Spiel kommen.
Wenn du es bis dahin ausprobieren willst, ist der entscheidende Punkt, Integrationen auszuwählen, die dir tatsächlich Zeit sparen – und vor allem die Berechtigungen in Ruhe zu prüfen. Denn Automatisierung ist gut … aber zu automatisieren, ohne hinzusehen, was man dafür abgibt, ist genau die Art Sache, die dann an einem Sonntagnachmittag in den Einstellungen endet.

